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Schon der Beginn des chinesischen Projektes der „Neuen Seidenstraße“ im Jahr

2013 sowie die wirtschaftlichen Reformen in einigen Ländern haben das deutsche

und europäische Interesse für Zentralasien deutlich gesteigert. Der russische An-

griffskrieg auf die Ukraine hat dafür gesorgt, dass die Region sowohl ins Zentrum

geostrategischer als auch wirtschaftlicher Strategien gerückt ist.


Text: Thomas Helm


Wenn man heute mit Menschen in Deutschland über die Staaten in Zentralasien spricht,

dann stößt man gleichwohl nicht nur auf viel Unkenntnis, sondern stellt fest, dass die Re-

gion allzu oft als ein monolithischer Block wahrgenommen wird. In Wahrheit sind die Staa-

ten Zentralasiens diverser als die Staaten der Europäischen Union – und das sowohl in

historischer, staatspolitischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht.


Wirtschaftlich: Während das Pro-Kopf-Einkommen innerhalb der Europäischen Union

vom reichsten zum ärmsten Mitgliedsland im Verhältnis 1 zu 5 steht, beträgt die Spreizung

zwischen den fünf Ländern, die wir heute als Zentralasien bezeichnen, von Kasachstan als

wohlhabendstem bis Tadschikistan als ärmstem etwa 1 zu 10.



Historisch: Während Kasachstan und Kirgisistan, zum Teil bis weit in das 20. Jahrhundert,

Nomadengesellschaften waren, folgt Usbekistan einer Händlertradition, die sogar über die

Zeit der historischen Seidenstraße hinaus reicht.


Staatspolitisch/gesellschaftlich: Hier reicht die Bandbreite von Kasachstan, dass sich

gesellschaftlich weltoffen darstellt und sich in vielen multilateralen Organisationen, von

den Vereinten Nationen bis zur OSZE, engagiert bis Turkmenistan, das sich nahezu jeder

internationalen Zusammenarbeit verweigert.


Die größten Entwicklungschancen für deutsche Unternehmen in der Region verbinden sich mit Kasachstan und Usbekistan.Seit 32 Jahren unterhalten Deutschland und Kasachstan vertrauensvolle diplomatische Beziehungen. Das bedeutet nicht, dass es in den Wirtschaftsbeziehungen keine Probleme gibt. Die meisten Herausforderungen sind mit der richtigen Begleitung aber lösbar. Mein Unternehmen begleitet Unternehmen auf dem Weg und unterstützt sie bei der Realisierung ihrer Projekte. Wir helfen auch beim Vertrieb und haben eigene Projekte, z.B. im Ausbildungsbereich, vor Ort. Zudem werden die Verfassungsreformen in Kasachstan des Jahres 2022, mit denen sich mehr institutionelle Kontrolle verbindet, einen positiven Effekt auf die Bekämpfung der Korruption haben. Die größten Wachstumspotentiale in Kasachstan liegen nach wie vor im Rohstoffbereich. Seit 2012 besteht zwischen derRepublik Kasachstan und der Bundesrepublik Deutschland einRohstoffabkommen. Seiner Zeit von Deutschland initiiert und in großer Eile abgeschlossen. Von Panik getrieben, glaubte man damals, dass sich alle kritischen (also: nicht ausreichend vorhandenen) Rohstoffe in naher Zukunft im Zugriff Chinas befinden würden.In den letzten zwei Jahren haben wir schmerzhaft erfahren, wiesehr es uns trifft, wenn der Zugriff auf Rohstoffe als Waffe verwendet wird. Die in weiten Teilen der Wirtschaft entstandeneBereitschaft zu mehr Flexibilität, was die Versorgungswege mit kritischen Rohstoffen betrifft, sollte jetzt genutzt werden, um die Zusammenarbeit mit Kasachstan zu intensivieren. Da es Deutschland an Bergbauunternehmen fehlt, wäre zu überlegen, ob ein deutscher Hersteller von Bergbautechnik mit einemBergbauunternehmen aus dem europäischen Ausland, z.B. ausSchweden oder der Schweiz, oder aus Kasachstan selbst, ein gemeinsames Projekt zur Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen in Kasachstan durchführt. Große Wachstumspotentiale ergeben sich in Kasachstan aber auch im Bereich der Landwirtschaft, bei erneuerbaren Energien und in der Logistik. So hat der Klimawandel die Vegetationsperiode, auch im Norden des Landes, in den letzten Jahren verlängert, was zusätzliche Möglichkeiten bietet, wenn man sparsam und effizient mit den Böden und mit Wasser umgeht. Das birgt Potential für deutsches Know How und deutsche Technik.


Erneuerbare Energien aus Wind und Sonne finden in Kasachstan Idealbedingungen, so dass erhebliche Potentiale für Investments und Betrieb, aber auch bei der Ausrüstung gegeben sind.Deutsche Maschinentechnik erfreut sich in Kasachstan generell reger Nachfrage. Kasachstan ist und bleibt das Schlüsselland für den Landweg zwischen China und Europa. Dies einmal mehr, da Russland als Korridor (Nordroute) zunehmend ausfällt. Seit Jahren wird am sog. Middle-Korridor gearbeitet, der über das Kaspische Meer führt, bis heute allerdings erst 20 Prozent der Kapazität der Nordroute hat. Inzwischen steht durch den Hafenumbau in Kuryk, zusätzlich zum Hafen in Aktau, ein zweiter ziviler Hafen am Kaspischen Meer zur Verfügung. Über den Middle-Korridor lässt sich ganz Zentralasien bedienen. Am 18. November 2022 fand im usbekischen Samarkand die EU-Central Asia Connectivity Conference Global Gateway statt. Als Teil des globalen Ziels, die sozioökonomischen Auswirkun- gen des neuen geopolitischen Kontextes seit Beginn des Kriegs in der Ukraine abzumildern, arbeiten die EU und die Länder Zentralasiens zusammen, um die Diversifizierung ihrer Verkehrs- wege zu unterstützen. Bis zum Tod des Langzeit-Präsidenten Islom Karimov im Jahr 2016 war die usbekische Wirtschaft durch dessen Regime ausgebremst. Das Problem der mangelnden Konvertierbarkeit der Währung wurde unmittelbar nach seinem Ableben gelöst und wirkte wie eine Initialzündung. Weitere Reformen zur Schaffung eines guten Investitionsklimas schlossen sich unmittelbar an. Wer heute nach Taschkent reist, der stellt eine atemberaubende Bautätigkeit fest, welche die Stadt in den vergangenen fünf Jahren in Teilen neu hat entstehen lassen. Das gleiche gilt für die großen Städte in Kasachstan und auch für Duschanbe (Tadschikistan). Es ist also der richtige Zeitpunkt für die in Deutschland gebeutelte Bauwirtschaft, sich mit Zentralasien intensiver zu beschäftigen. Nach den Wirtschaftsreformen in Usbekistan ergeben sich gute Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der gut entwickelten Leichtindustrie wie z.B. beim Automobilbau. Das Interesse der deutschen Wirtschaft an Usbekistan ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Immer interessanter wird die usbekische Textilindustrie für eine Zusammenarbeit mit Deutschland. Dies nicht nur zur Herstellung von Garnen, sondern verstärkt auch bei der Produktion von Kleidungsstücken. Da hilft es natürlich, dass die usbekische Baumwolle wieder uneingeschränkt gehandelt werden darf. In Bezug auf die Textilindustrie macht es Sinn, auch einmal den Blick in Richtung Kirgisistan zu richten. Ein wichtiger Faktor der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Deutschland und anderen Ländern Europas ist auch die von der Europäischen Union gewährte Zollfreiheit auf zahlreiche Produkte aus Usbekistan, was neue Marktchancen eröffnet. Neue Möglichkeiten könnten sich perspektivisch auch in einer Zusammenarbeit mit Turkmenistan ergeben. Eine wichtige Voraussetzung dafür wäre die Bereitschaft des Landes, sich stärker als bisher zu öffnen. So sind die in der Graphik gezeigten Daten der Wirtschaftsentwicklung in Bezug auf Turkmenistan mit Vorsicht zu genießen. Die Verweigerung der internationalen Zusammenarbeit führt dazu, dass viele Angaben schlichtweg fehlen. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist vor allem die Volksrepublik China der wesentliche Handelspartner Turkmenistans. China ist der einzige internationale Abnehmer von turkmenischem Erdgas, das wiederum 80 Prozent aller Exporte ausmacht. Turkmenistan überlässt China den Energieträger zu einem sehr niedrigen Preis. Damit hat das Land bisher die von China gebaute Pipeline abbezahlt. Die Schuld scheint dem Vernehmen nach aber jetzt abgetragen zu sein, so dass neue Möglichkeiten und Spielräume entstehen könnten. Turkmenistan ist mit rund 14 Billionen Kubikmetern Gas das Land mit den viertgrößten Gasreserven der Welt. Die Einnahmen aus dem Verkauf sind eine wichtige Säule des Staatshaushaltes, können aber auch die finanzielle Grundlage für eine wirtschaftliche Transformation bilden. Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien sind dabei ebenso denkbar wie Landwirtschaftsprojekte und Textilien. Vor dem Hintergrund der Energievorräte, auch industrielle Produktion, z.B. im Bereich der Chemie. Landwirtschaftsprojekte ste- hen in Turkmenistan in weiten Teilen vor ähnlich schwierigen Bedingungen wie in Israel, weshalb Agrarprojekte verstärkt in Gewächshäusern und/ oder mit Tröpfen-Bewässerung stattfinden müssten.




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Der Kurultai (Versammlung, Kongress) der Kasachen Europas fand vom 26. bis 29. Mai 2023 in Köln statt. Bereits mehr als 20 mal wurde dieses Treffen in verschiedenen Ländern Europas veranstaltet: Großbritannien, Frankreich, Schweden. In Deutschland, wo mehr als zweitausend ethnische Kasachen leben, war dies bereits das vierte Treffen. Kurz vor der Pandemie waren die Kasachen Europas in München zu Gast. Letztes Jahr wurden die Treffen in Paris wieder aufgenommen, und nun trafen sich Kasachen aus 15 Ländern erneut in Deutschland. Den Kurultai organisierte die Nationale Stiftung für die Zusammenarbeit mit den Kasachen im Ausland Otandastar und die kasachische Gemeinde in Köln.

Den Gästen wurde ein reichhaltiges kulturelles Programm geboten: ein Fußballturnier, eine Ausstellung für angewandte Kunst und ein Konzert sowie Unterricht in kasachischen Spielen. Natürlich war auch die traditionelle kasachische Küche stark vertreten.


Solche Begegnungen sind für diejenigen, die weit von ihrer Heimat entfernt leben, von großer Bedeutung. Es ist eine Gelegenheit zum Kennenlernen, sich in der Muttersprache zu verständigen und dabei natürlich die Wurzeln nicht zu vergessen. Auf dem Kurultai konnte man Vertreter aller Generationen treffen. Von Aksakals, die ihre Heimat vermissen, bis hin zu Jugendlichen, die mit ihrer historischen Heimat in Kontakt treten wollen. Heute gibt es immer mehr von ihnen, die Kasachstan regelmäßig besuchen, online die kasachische Sprache erlernen und Lebenspläne in ihrer historischen Heimat schmieden.


Der Kurultai gipfelte in einem Konzert von Amateursängern und -musikern aus Polen, Spanien und Deutschland sowie professionellen Künstlern aus Kasachstan. Außerdem gab es eine Trachtenschau. Den Abschluss des Abends bildete das Ethno-Ensemble „Turan“, das sowohl alte Melodien als auch Werke moderner Komponisten auf alten Volksinstrumenten spielte. Viele Mitglieder der Gesellschaft sind mit der kreativen Arbeit dieses renommierten Ensembles gut vertraut. 2011 spielten die jungen Musiker aus Almaty auf dem Nauryz-Fest in der Landesvertretung Thüringen, und die DKG organisierte mit Unterstützung der Honorarkonsuln Kasachstans ihre Auftritte in Frankfurt, Stuttgart und München. Es war eine Freude, diese talentierten Musiker wiederzutreffen, die inzwischen die Volksmusik Kasachstans einem Publikum in mehr als 50 Ländern vorgestellt haben.


Galina Nurtasinowa stellte beim Erfahrungsaustausch der 15 europäischen kasachischen Organisationen die DKG vor und sprach über aktuelle Veranstaltungen und Vorhaben. Sie und der Vorsitzende, Thomas Helm, nutzten den Kurultai, um für unsere Gesellschaft zu werben und die Leitung der Otandastar-Stiftung sowie Studenten aus Kasachstan zu treffen.

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Gemeinsam mit der Fachvereinigung Auslandsbergbau in der Vereinigung Rohstoffe und Bergbau e.V. (FAB) hat die Deutsch-Kasachische Gesellschaft e.V. (DKG) am 23. Mai 2023 in Berlin eine Konferenz zum Thema „Rohstoffe aus Kasachstan“ durchgeführt. Das Grußwort zum Auftakt der Veranstaltung hielt der Botschafter der Republik Kasachstan in der Bundesrepublik Deutschland, S.E. Dr. Nurlan Onzhanov.


Mit fachlich und politisch gesetzten Impulsvorträgen von Dr. Volker Steinbach (BGR) und Manfred Grund, MdB wurde die Bedeutung Kasachstans als Rohstofflieferant für die Bundesrepublik Deutschland hervorgehoben.

Dr. Martin Wedig, Geschäftsführer der FAB, nannte als Schlüssel und Voraussetzung für den Rohstoffbezug ethisch, gesundheitlich und ökologisch unbedenkliche Abbaumethoden in den Lieferländern, kurz die Anwendung von „Environmental, Social, Governance (ESG)“. Kasachstan ist bereits seit Längerem Mitglied der EITI-Initiative und veröffentlicht jährlich Berichte über den Stand seiner Rohstoffbranchen. Dabei werden regelmäßig auch die ESG-Themen betrachtet, sodass eine höhere Transparenz der staatlichen Strukturen, Zahlungsströme, Sozial- und Arbeitsstandards besteht.



Das und die bereits bestehende Rohstoffpartnerschaft mit Deutschland machen Kasachstan zu einem idealen Partner, wenn es um die Beschaffung von Rohstoffen wie auch um deutsche Beiträge zum Ausbau und Verstetigung der Rohstoffgewinnung in Kasachstan geht. Es bestehen bereits eine Vielzahl von gemeinsamen Vorhaben, bei denen vor allem deutsche Kompetenz bei Planung, Entwicklung und Bau eingebracht werden. Beispiele dafür sind die vielen Beteiligungen deutscher Unternehmen an Schachtbauten in Kasachstan.

Im Rahmen der Podiumsdiskussion wurde der Frage nachgegangen, was im Rohstoffsektor für eine erfolgreiche Zusammenarbeit weiterhin geschehen muss. Es diskutierten Bernd Westphal, MdB, Prof. Dr. Carsten Drebenstedt (TU Bergakademie Freiberg), Dipl.-Ing. Danny Bodenstab (Geschäftsbereichsleiter Bergbau und Anlagentechnik, Schachtbau Nordhausen GmbH), Dr. Dauren Akberdiyev (Leiter der wirtschaftlichen Abteilung der Botschaft der Republik Kasachstan) und Saken Olzhabayev (Vertreter der Nationalen Gesellschaft Kazakh Invest in Deutschland).


Prof. Dr. Carsten Drebenstedt ging in seinem Beitrag insbesondere auf die Zusammenarbeit mit kasachischen Hochschulen ein. Dipl.-Ing. Danny Bodenstab berichtete über die Erfahrungen der Tochtergesellschaft in Kasachstan. Er appellierte an die anwesenden Bundestagsabgeordneten, kasachischen Mitarbeitern die Einreise nach Deutschland zu erleichtern, um sie schneller fachlich anzulernen und die Firmenkultur kennenzulernen, um Produktionsprobleme schneller zu lösen und Erfahrungen auszutauschen. Dr. Dauren Akberdiyev stellte den neu gegründeten Geologischen Dienst Kasachstans und seine Rolle bei der Koordinierung der internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet Bergbaus und Mineralienwirtschaft vor. Saken Olzhabaev sprach über das Investitionsklima in Kasachstan, Präferenzen und Vorteile für ausländische Investoren im Bergbausektor.


Der weitere Gedankenaustausch betraf die Zusammenarbeit bei der Ausbildung von Fachkräften sowie die Konkretisierung von Problemen kasachischer Unternehmen, um zu erkennen, wo deutsche Beiträge

möglich sind, insbesondere für deutsche KMU.

Nach Ansicht der Teilnehmer wurden auf der Konferenz wichtige Fragen der Zusammenarbeit im Bereich der Rohstoffe angesprochen und der Wille ausgesprochen, die Gespräche über dieses für beide Länder so wichtige Thema fortzusetzen.

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